Tag 7
Samstag, 23. August - Umwelt in China
Heute führen wir Gespräche mit diversen NGOs. Vor allem das Thema Umwelt wollen wir noch einmal ausführlich diskutieren. Nach diversen Tagen in Peking habe ich den Eindruck, dass die Luft wirklich nicht unseren Standards entspricht. Aber wir müssen hier einen anderen Maßstab verwenden. In den letzten Jahren wurde sicherlich Einiges erreicht.
Die Wasserqualität und der Emissionsschutz haben deutlich an Bedeutung gewonnen. Mit Energie wird sinnvoller und sparsamer umgegangen. Am 1. Juni und am 1. September werden alle Aufzüge umgestellt: man kommt mit ihnen nicht in die Etagen bis zum fünften Stock. Zweimal im Jahr gibt es festgelegte autofreie Sonntage. Kleine, symbolische Schritte, die aber einen Anfang darstellen.
Heute Abend werden wir das mit Spannung erwartete Endspiel der Herren im Hockey verfolgen.
Tag 6
Freitag, 22. August - Veränderungen in China
Heute morgen führe ich erneut Gespräche mit Korea. Ich werde von der koreanischen Botschaft zum Frühstück eingeladen. Dort treffe ich unter anderem den Fraktionsvorsitzenden der regierenden Grand National Party, Hong Yoon-Pyo. Er ist zugleich Präsident des nationalen Taekwondoo Verbandes.
Neben der aktuellen politischen Lage diskutieren wir über die Zukunft der Olympischen Disziplinen. Seine Angst ist, dass Taekwondoo wie Baseball aus dem olympischen Programm gestrichen werden könnte. Ich habe diesen spektakulären Sport in der Vergangenheit mehrmals erlebt und würde mich über eine solche Entscheidung nicht freuen. Dem koreanischen Freund versichere ich meine Unterstützung.
Am Nachmittag treffen wir in der Außenabteilung der Kommunistischen Partei ein. Hier diskutieren wir mit dem Leiter der Abteilung, Herrn Zhang, über die Entwicklungen in China seit der Vergabe der Olympischen Spiele. Es sind deutliche Veränderungen in der Volksrepublik zu beobachten, es bleibt zu hoffen, dass diese Entwicklung in China auch in Zukunft in diese Richtung gehen wird.
Am Abend verfolgen wir den spannenden Zehnkampf im Bird's Nest, dem National Stadium.
Tag 5
Donnerstag, 21. August - Das Olympische Dorf
Mit der Ratinger Siebenkämpferin Jennifer Oeser (TSV Bayer 04 Leverkusen) war ich in der Mensa des Dorfes Mittagessen und ließ mir über ihre Erfahrungen im olympischen Siebenkampf aus erster Hand berichten.
Eines ist gewiss: Das Ratinger Mehrkampfpublikum kann es ohne weiteres mit dem Olympiapublikum hier vor Ort aufnehmen. Zwar seien die Chinesen im Stadion immer bei der Sache gewesen, doch haben die Ratinger enthusiastischer die Wettkämpfe verfolgt.
Jennifer Oeser zeigte zudem Genugtuung, dass die umfangreichen Dopingkontrollen greifen. Ihre ukrainische Teamkollegin und Silbermedaillengewinnerin, Ludmilla Blonska, wurde in der A-Probe positiv auf Steroide getestet. Sollte die B-Probe ebenfalls positiv ausfallen, droht dieser Athletin eine lebenslange Sperre.
Zudem ergaben sich im Olympischen Dorf interessante Gespräche mit dem deutschen Chef de Mission, Michael Vesper sowie mit Bernhard Schwank und Jürgen Ziegler (beide zuständig für den Leistungssport im DOSB).
Kurz vor Ende der Spiele zogen wir eine kleine Bilanz über das bisherige Abschneiden unserer Athletinnen und Athleten. Natürlich hoffen wir bis Sonntag noch auf weitere Medaillen. Auch in der Leichtathletik dürfte vielleicht doch noch das ein oder andere Edelmetall drin sein.
Nach Ende der Spiele muss ein kritischer Blick auf die Spitzenförderung geworfen werden. Hier ist ein internationaler Vergleich sinnvoll und vonnöten. Die internationale Konkurrenz wird immer größer und wir dürfen den Anschluß an die Spitzennationen nicht verpassen. Ich werde mich dafür einsetzen, das ein solcher Vergleich im Sportausschuss diskutiert wird.
Tag 4
Mittwoch, 19. August - Korea und Doping
Am Morgen fahre ich zum IOC Hotel ins Zentrum von Peking. Es stehen zwar auch wichtige Wettkämpfe auf dem Programm, aber ich habe einen Gesprächstermin, der mir als stellvertretender Vorsitzender der deutsch-koreanischen Parlamentariergruppe besonders am Herzen liegt.
Ich treffe den Generalsekretär des Nationalen Olympischen Komitees Koreas, Yang Chun Park. Das Verhältnis zwischen Nord- und Südkorea ist zur Zeit sehr angespannt. Im Gegensatz zu vergangenen Spielen, zuletzt in Turin, gab es diesmal keinen gemeinsamen Einmarsch beider Länder. In möchte dazu beitragen, dieses kalte Klima zwischen beiden Staaten zu ändern.
Korea schaut auf Deutschland. Deutschland hat eine friedliche Wiedervereinigung hinter sich gebracht. Ich bin mir sicher, dass hier der Sport eine tragende Rolle spielen kann.
Später treffe ich einige Sponsoren, unter anderem Nike. Die amerikanische Firma unterstützt weltweit 2.000 Athleten im Sport. Als Mitglied im Beirat des Fachverbandes für Sponsoring bin ich sehr interessiert, wie die Zukunft des Sponsorings bei Olympia und die kritische Frage Ambush-Marketing bewertet werden.
Am Nachmittag steht ein Gespräch mit der WADA und der NADA auf dem Programm. Olivier Niggli vertritt die WADA und Ulrike Spitz die NADA. Wir informieren und über die Kontrollen in China. Die WADA erklärt, dass es keine Schwierigkeiten gab, Kontrolleure ins Land zu lassen. Alle verfügten über Langzeitvisa. Die WADA hob die Bedeutung der Zusammenarbeit von Polizei und Zoll hervor. Frau Spitz lobte die Arbeit des DOSB: Meldepflichten werden erfüllt. Die An- und Abmeldung von Athleten durch Handy und Blackberry sollen nun möglich sein: eine sinnvolle Forderung der FDP, die endlich umgesetzt wird und das Leben für viele Athleten erleichtern wird.
Am Abend besuchen wir das Hockeyspiel der Damen Deutschland-China. Leider verlieren wir 2-3. Die Damen werden ihren Titel von Athen nicht verteidigen können.
Tag 3
Detlef Parr mit Uli Feldhoff und Peter Danckert
Dienstag, 19. August - Religion in China
Am Vormittag treffen wir beim Botschafter deutsche Journalisten, die in China tätig gewesen sind. Es wird sehr offen über die Veränderungen in China durch die Olympischen Spiele gesprochen. Auch die Auswirkungen auf Politik und Wirtschaft werden diskutiert.
Ich habe den Eindruck, das die Spiele einen wichtigen Beitrag geleistet haben, aber vieles sicherlich noch weiter entwickelt werden muss, um einen Rechtsstaat wie in Europa zu erreichen.
Viele Chinesen sind heute weltoffen und interessiert. Selbst in der Ubahn werden wir auf Englisch angesprochen - man ist neugierig.
Später haben wir ein Gespräch mit dem katholischen Bischof von Peking, Li Shan, geführt. Über Religionsfreiheit in China vieles in Deutschland vor den Spielen geschrieben. Es war mir umso wichtiger, mir vor Ort ein Bild zu machen.
Li Shan erklärt, dass Religionsausübung in China heute möglich sei. Ob und wie die Olympischen Spiele dazu beigetragen haben, sei schwer zu sagen. Der Bischoff erklärt uns auch, dass es ihm möglich war, Kontakt zum Pfarrer der deutschen Delegation Kontakt aufzunehmen.
Am Nachmittag konnte ich mit dem Präsidenten des Kanu-Weltverbandes ICF, Uli Feldhoff , einen großen Tag für die deutschen Kanuten feiern. In vier Qualifikationsrennen gab es deutsche Siege. Besonders erfreulich aus liberaler Sicht der Erfolg im K2 über 500 Meter von Fanny Fischer und Nicole Reinhardt: Fanny ist die Nichte von Rekordolympionikin und FDP Mitglied Birgit Fischer. Birgit Fischer ist als ARD-Expertin auch in Peking.
Tag 2
Detlef Parr mit IOC-Vizepräsident Dr. Thomas Bach Montag, 18. August - Umwelt in Peking und Spitzenmatch gegen China
Morgens besuchen wir die Beach Volleyball Anlage. Anlass ist das Spiel unseres Duos Klemperer/Koreng gegen die USA. Leider verlieren unsere Jungs mit 0-2 Sätzen.
Mit großen Interesse habe ich das Gespräch mit Greenpeace China erwartet. Wieviel wurde in den letzten Monaten über die Umweltsituation in Peking berichtet. Auch während der Spiele sind die Luftverhältnisse nicht optimal. Aber welch eine Änderung in den letzten Jahren!
Greenpeace bestätigt, dass die Spiele ein gewinn für China gewesen sind. Sie verweisen auf diverse Studien, unter anderem Vergleiche mit Sydney - dem Musterbeispiel für grüne Spiele.
Wir dürfen nicht die Nachhaltigkeit der Olympischen Spiele in Peking vergessen: erst durch die Spiele hat das Thema Umwelt für Chinesen überhaupt eine Bedeutung bekommen. Wir können von einem wachsenden Umweltbewusstsein in China sprechen.
Am Abend haben wir als sehr kleine Minderheit (40 Deutsche gegen 8.000 Chinesen) unsere Tischtennisspieler um Timo Boll lautstark angefeuert. Als Düsseldorfer war ich von der Leistung von Timo besonders erfreut. Wir haben gegen die überstarken Chinesen Silber gewonnen und nicht Gold verloren!
Tag 1
Sonntag, 17. August - Der Ankunftstag
Detlef Parr mit Christian Breuer Heute morgen sind wir in Peking gelandet. Ein Besuch beim Deutschen Haus anläßlich der Pressekonferenz des DOSB steht auf dem Programm. Wir haben uns sofort von der Arbeit des DOSBs hier in Peking überzeugen wollen.
Am Abend haben wir die Leichtathletikwettbewerbe im National Stadium besucht. Höhepunkt war hier der 100-Meter-Lauf der Damen. Wir haben allerdings auch die Siegerehrung des Finales der Männer erlebt: Ein strahlender Usain Bolt nahm seine Goldmedaille vor unseren Augen entgegen.
Der Abend klang im Deutschen Haus aus. Heute ist Athletenabend. Ich habe die Möglichkeit mit vielen Athelten und dem Athletensprecher des DOSB, Christian Breuer, zu reden.
Ich treffe auch Rustam Rahimov aus Velbert. Leider war seine Olympiateilnahme nicht erfolgreich wie gehofft. Ein kleines Trostpflaster war sicherlich sein Gewinn bei der Tombola am Abend...


